Backstage

Staatsorchester Rheinische Philharmonie

Schicksal, Klang und Widerstand

Drei russische Komponisten, drei verschiedene Sichtweisen auf das, wie Musik mit das Innenleben eines Menschen ausdrücken kann.

Den Auftakt setzt Skrjabins Rêverie op. 24 – komponiert 1898, als Skrjabin noch fest in der Spätromantik verwurzelt war und Chopin sein großes Vorbild. Doch schon in diesem kurzen Orchesterstück lässt es sich erahnen, dass dieser Komponist irgendwann die Tonalität hinter sich lassen würde.

Dann Schostakowitsch – und ein völlig anderes Russland. Das erste Cellokonzert entstand 1959, vier Jahre nach Stalins Tod, in einer Zeit vorsichtigen Aufatmens. Die Musik trägt diese Spannung in sich: ein prägnantes Vier-Ton-Motiv durchzieht das gesamte Werk wie ein Verhör, während die Musik zwischen Witz, Nachdenklichkeit und Brillanz pendelt. Schostakowitsch schrieb das Konzert für seinen engen Freund Mstislaw Rostropowitsch, der es noch im selben Jahr uraufführte – auswendig, nach nur vier Tagen Probenzeit.

Den Abschluss macht Tschaikowskis Fünfte – die Schicksalssinfonie. Ein Motiv, vier Sätze, ein langer Bogen von innerer Dunkelheit bis zum majestätischen Finale. Musik, die zeigt, dass Tschaikowski das große Orchesterkino vielleicht nicht erfunden, aber dafür perfektioniert hat.

Es spielt das Staatsorchester Rheinische Philharmonie aus Koblenz, dessen Geschichte bis ins Jahr 1654 zurückreicht – und das seinen Ruf als einer der geschichtsträchtigsten Klangkörper Deutschlands bis heute mit Überzeugung trägt.

Schleswig-Holsteinisches Sinfonieorchester

Klang, Farbe, Ekstase

Was haben Debussy, Strawinski, Scriabin und der junge Franzose Benjamin Attahir gemeinsam? Sie alle denken Orchester als Klangfarbe – als etwas, das sich im Raum verbreitet, sich verändert, ja fast schon sichtbar wird.

Den Auftakt macht Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“, jenes schwebende Stück, das 1894 die Musikgeschichte leise, aber nachhaltig aus den Angeln hob. Flöte, gedämpfte Streicher, kaum ein Takt, der festen Boden berührt – und trotzdem eines der Schlüsselwerke der Moderne. Dann folgt die Uraufführung: „The Colours“ von Benjamin Attahir, dessen Musik westliche Orchestertradition mit Klangwelten des Nahen Ostens verwebt und dabei etwas völlig Neues kreiert. Strawinskis „Feuervogel-Suite“ bringt Tempo und Dramatik – magische Klangfarben, rhythmische Wucht und eine mitreißende Theatralik, die das Märchen lebendig werden lässt. Den Abschluss setzt Scriabins „Poème de l’extase“, ein Werk, das seinen Titel ernst nimmt: visionär, grenzüberschreitend – und am Ende schlicht überwältigend.

Am Pult steht Harish Shankar, Generalmusikdirektor am Landestheater Schleswig-Holstein und Preisträger des internationalen Jorma Panula Dirigierwettbewerbs – ein Dirigent, dem man nachsagt, dass er Orchester und Publikum gleichermaßen mitzureißen versteht. Als Solistin ist die belgische Klarinettistin Annelien Van Wauwe zu hören, ARD-Wettbewerbssiegerin und Preisträgerin des Borletti Buitoni Trust Award, die für ihre lyrische Intensität und klangliche Tiefe geschätzt wird.

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