Reduktion als Ausdruck
Gemeinsam mit dem Cellisten Clovis Michon präsentiert der Pianist Michael Rettig ein intensives Programm, mit Werken verschiedener Komponisten, die auf ihre jeweils ganz eigene Weise die Wirkung von Reduktion, Wiederholung und zeitlicher Dehnung erforschen. So wie die Stücke von Eric Satie: Der Franzose betrachtet die Welt aus einer fast schon kindlichen Perspektive: klar, schlicht und frei von dramatischen Elementen. Dem gegenüber stehen Arvo Pärts Glockenstil und Philip Glass‘ repetitive Musik mit ihrer fast hypnotischen und pulsierenden Wirkung. In Olivier Messiaens langsamen Sätzen aus seinem berühmten Werk „Quatuor pour la fin du temps“, komponiert während seiner deutschen Kriegsgefangenschaft, scheint die Zeit schließlich ganz aufgehoben und losgelöst von der Realität dieser Welt. Ein Konzertabend, bei dem die Musik mit Sicherheit nicht konsumiert, sondern erlebt wird.
Dramatische Schönheit
Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ gehört zu den bedeutendsten Kammermusikwerken den 19. Jahrhunderts. Der zweite Satz verarbeitet das gleichnamige Kunstlied, in dem der Tod in beruhigender Weise zu einem jungen Mädchen spricht. Das Streichquartett in d-Moll ist von dramatischen Kontrasten geprägt, die zwischen düsterer Unruhe und lyrischer Innigkeit wechseln. Neben Schuberts Werk bringt das Armat Quartett zwei weitere Kammermusik-Perlen zur Aufführung: Beethovens Streichquartett Nr. 1 F-Dur op. 18 Nr. 1, entstanden um 1798–1800, zeigt seinen Übergang von der Klassik zur frühen Romantik. Besonders der zweite Satz, ein expressives Adagio, soll von der Grabesszene aus „Romeo und Julia“ inspiriert worden sein. Arvo Pärts „Da pacem Domine“ ist ein ruhiges, meditatives Werk, das auf einem alten Kirchenlied basiert. Mit seinen schwebenden Klängen und langsamen Harmoniewechseln schafft es eine Atmosphäre der Stille und Besinnung.
Das Armat Quartett wurde 2018 gegründet und besteht aus Mitgliedern der Symphoniker Hamburg: Hovhannes Baghdasaryan (Violine), Makrouhi Hagel (Violine), Sebastian Marock (Viola) und Theresia Rosendorfer (Violoncello). Der Name „Armat“ bedeutet auf Armenisch „Wurzel“ und spiegelt die kulturellen Wurzeln der Ensemblemitglieder wider. Das Quartett hat bereits mehrfach in der Drostei in Pinneberg Konzerte gegeben.