An die Musik
„Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden / Wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt / Hast du mein Herz zu warmer Lieb’ entzunden / Hast mich in eine bessre Welt entrückt“ – so heißt es in Franz Schuberts Lied „An die Musik“. Der preisgekrönte schwedische Cellist Torleif Thedéen und die international gefragte armenisch-dänische Pianistin Marianna Shirinyan haben eine besonders innige Beziehung zu diesem kleinen Kunstlied-Juwel und seinen Titel zum Motto ihres Konzertabends beim Schleswig-Holstein Musikfestival gewählt.
Neben einer instrumentalen Fassung von „An die Musik“ erklingen Werke aus ganz unterschiedlichen Epochen, die eines gemeinsam haben: Die Musik wird für die Komponisten zum Raum für Rückzug und Geborgenheit, aber auch für emotionalen Ausdruck und individuelle Entfaltung. Und genauso geht es denjenigen, die das fertige Werk hören – Klänge als Trost, ästhetisches Ideal und Freudenquelle. Die früh entstandenen Cellosonaten von Richard Strauss und Samuel Barber (beide op. 6) präsentieren sich etwa als Schauplatz, wo jugendliche Gefühle in Kunst gegossen werden und hoffnungsvoll „in eine bessre Welt entrücken“. Ein Abend, der die Kostbarkeit von Musik preist!
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Mozart & Schubert – ein Dialog
Mozart war für Schubert eine zentrale Inspirationsquelle – beide verbindet eine außergewöhnliche Meisterschaft der melodischen Erfindung und ein besonderes Gespür für den Gesang. Während Mozart diese Nähe zur menschlichen Stimme vor allem in seinen Opern entwickelte, prägte Schubert sie durch seine intensive Beschäftigung mit dem Lied. Diese „stimmennahe“ Qualität durchzieht auch ihre Klaviermusik. So entsteht ein Programm, das mit Leichtigkeit und Tiefe, tänzerischer Bewegung und innerer Spannung zwei der größten Melodiker der Musikgeschichte in unmittelbare Beziehung setzt.
Andrey Denisenko, 1992 in Rostow am Don geboren, begann sein Studium 2017 an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. 2018 gewann er den dritten Preis beim Europäischen Klavierwettbewerb Bremen, den ersten Preis beim Wettbewerb der Elise-Meyer-Stiftung und den Steinway-Förderpreis Klassik. 2019 debütierte er im Großen Saal der Laeiszhalle Hamburg und trat seitdem u.a. in der Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach in Frankfurt/Oder, in der Elbphilharmonie Hamburg und der Philharmonie Berlin auf. Seine Debüt-CD mit Werken von Bach, Brahms und Schumann wurde 2024 bei GENUIN Classics veröffentlicht und von der Fachpresse positiv aufgenommen. 2025 schloss Andrey Denisenko sein Konzertexamen mit Auszeichnung ab und spielte im Großen Saal der Laeiszhalle Hamburg mit den Symphonikern Hamburg.
Programm:
Wolfgang Amadeus Mozart Fantasie c-Moll KV 475
Franz Schubert Klavierstück Es-Dur D 946 Nr. 2
Wolfgang Amadeus Mozart Sonate B-Dur KV 333
Franz Schubert 12 Deutsche Ländler D 790
Wolfgang Amadeus Mozart 12 Variationen über «Ah, vous dirai-je, Maman» C-Dur KV 265
Franz Schubert Sonate a-Moll D 784
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Melodien für den Sommerabend
Das um Bläser erweiterte Orchester St. Laurentii lädt zu einem beschwingten Sommerkonzert ein: Mit der Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozart Sturm und Drang“-Oper „Idomeneo“, der heiter-eleganten Symphonie No. 5 in B-Dur von Franz Schubert – seiner ersten reifen Symphonie – und der farbenreichen „Ancient Airs and Dances“ Suite No. 2 von Ottorino Respighi, mit der sich der Komponist an die Lautenmusik des 16. und 17. Jahrhunderts anlehnt, erwartet die Besucher ein Programm mit reichlich melodischer Leichtigkeit und klanglicher Eleganz. Festliche Opernenergie, klassischer Charme und tänzerische Klangfarben verbinden sich zu einem musikalischen Potpourri, mit dem das von Dörthe Landmesser geleitete Orchester mit großer Spielfreude die warme Jahreszeit einläutet.
Eine musikalische Fantasie
Das Musiktheaterensemble des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters lädt zum Träumen ein! Und zwar in alle Richtungen – mal von Liebe und Leidenschaft, mal von Hass und Rache, mal von Macht und Erfolg. Musikalisch ist die Auswahl dazu riesig, entsprechend vielfältig ist auch das „Traum“-Programm. Wobei der Fokus doch vor allem auf der Liebe liegt, wie in die schwärmerische Verliebtheit, die Tschaikowski in „Ach Tanja, Tanja …“ aus „Eugen Onegin“ in Noten fasst oder Giuseppe Verdis berührende Arie „Caro nome“ aus „Rigoletto“. Dem gegenüber steht die Rossinis Triumpharie „Non più mesta” aus “La Cenerentola“ oder Franz Schuberts Vertonung von Goethes „Erlkönig“ – große Dramatik mit feinem Gruselfaktor!
Programm:
Jacques Offenbach (1819–1880): LES CONTES D’HOFFMANN – „Belle nuit, ô nuit d’amour“ (Barcarole)
Franz Schubert (1797–1828): WINTERREISE – „Frühlingstraum“
Henry Purcell (1659–1695): KING ARTHUR – „What Pow’r Art Thou“ (Cold Song)
Jacques Offenbach (1819–1880); LES CONTES D’HOFFMANN – „Les oiseaux dans la charmille“ (Puppen-Arie)
Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840–1893): EUGEN ONEGIN – „Ach Tanja, Tanja … Ja ne sposobna k grusti tomnoi“ & „Ljubwi wsje wosrasty pokorny“
Carl Maria von Weber (1786–1826): DER FREISCHÜTZ – „Nein, länger trag ich nicht die Qualen … Durch die Wälder, durch die Auen“
Richard Strauss (1864–1949) DER ROSENKAVALIER – „Mir ist die Ehre widerfahren“
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): COSÌ FAN TUTTE – „Soave sia il vento“
Franz Schubert (1797–1828): „Erlkönig“
Giuseppe Verdi (1813–1901): RIGOLETTO – „Gualtier Maldè … Caro nome“
Richard Wagner (1813–1883): WESENDONCK-LIEDER – „Träume“
Gioachino Rossini (1792–1868): LA CENERENTOLA – „Nacqui all’affanno … Non più mesta“
Paul Abraham (1892–1960): VIKTORIA UND IHR HUSAR – „Mausi, süß warst du heut’ Nacht“
Leitung & Klavier: Borys Sitarski
Moderation: Hendrik Müller
Mit: Anna Avdalyan, Anna Stepanets; Timo Hannig, Christian Alexander Müller
Von Brahms und Schubert bis Schulhoff
2003 in Wien gegründet sind die vier Musiker*innen weltweit auf den Podien zuhause, spielen in den USA, in China, Japan und Australien – und haben längst den Olymp der internationalen Streichquartett-Szene erreicht. Zu ihren musikalischen Partnern der vier „Minettis“ zählen unter anderem Stars wie Kit Armstrong, Fazil Say oder Sharon Kam. Für ihr Debüt bei der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein bringen die Wahl-Wiener ein wunderbar ausbalanciertes Programm aus Romantik und früher Moderne mit: Franz Schuberts Streichquartett in C-Dur, das mit seiner warmen Klangfülle und seinen weit gespannten Melodien zu seinen schönsten Kammermusikwerken zählt, sowie „5 Stücke für Streichquartett“ von Erwin Schulhoff, die mit lebendigen Rhythmen, überraschenden Stimmungen und Einflüssen aus Tanz und Jazz für frische Kontraste sorgen. Ein Muss für Streichquartett-Fans, ideal auch für „Kammermusik-Einsteiger“.
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Recital – Piano Perspectives
Von Carl Philipp Emanuel Bach bis Franz Schubert reicht das Repertoire, das der renommierte Pianist Johannes Nies für sein Konzert in Marne ausgewählt hat. Hier trifft expressive Freiheit auf virtuosen Anspruch: Bachs „Fantasia in C-Dur“ ist ein Paradebeispiel des empfindsamen Stils, Beethovens „32 Variationen über ein eigenes Thema in c-Moll“ bestechen durch ihre dramatische Intensität. Chopins „Nocturne in cis-Moll“ hingegen entfaltet eine melancholische, fast improvisatorische Eleganz, während Schuberts „Wanderer-Fantasie“ als monumentales Meisterwerk symphonische Dichte mit pianistischen Herausforderungen vereint. Jedes dieser Werke durchbrach auf seine Weise die musikalischen Grenzen seiner Epoche.
Johannes Nies ist seit längerem ein gern gesehener Gast im KBH Marne. Dank seiner herausragenden Begabung wurde er mit 15 Jahren Privatschüler des legendären Karl-Heinz Kämmerling. Bei ihm legte er 2007 an der Hochschule für Musik und Theater Hannover sein Diplom ab und studierte anschließend bis zu seinem Konzertexamen in der Soloklasse von Prof. Markus Becker, ebenfalls in Hannover. Zahlreiche Meisterkurse, u.a. bei Alfred Brendel und Pavel Gililov, runden seine Ausbildung ab. Johannes Nies erhielt zahlreiche Preise und Stipendien und konzertierte im In- und Ausland.
Programm:
Carl Philipp Emanuel Bach: Fantasia in C-Dur, H.291
Ludwig van Beethoven: 32 Variationen über ein eigenes Thema in c-Moll, WoO 80
Frédéric Chopin: Nocturne in cis-Moll, op. posth.
Franz Schubert: Fantasie in C-Dur, D 760 „Wanderer-Fantasie“
*** Pause ***
Mix mit Musik u.a. von Claude Debussy, Philip Glass, Nikolai Kapustin, Fazil Say, kombiniert mit eigenen Improvisationen
Das Klavierduo spielt Schubert und Strawinsky
Die aus Tschechien stammende Tereza Gugg-Kalabova und der Österreicher Johannes Gugg wurden 1998 geboren und bilden bereits seit ihrer Jugend ein Klavierduo. Spätestens seit dem Gewinn eines Sonderpreises beim ARD-Musikwettbewerb 2021 treten die jungen Musiker regelmäßig in großen Konzertsälen auf. In dieser Saison spielten sie beispielsweise im Wiener Konzerthaus sowie im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins. Im Oktober debütierten sie auch im Rumänischen Athenäum in Bukarest als Ersatz für Martha Argerich. Beide schlossen im Juni 2022 ihr Solo-Studium an der Kunstuniversität Graz bei Ayami Ikeba mit Auszeichnung ab und setzen ihre musikalische Ausbildung momentan in der Klasse des Klavierduos Silver-Garburg fort.
Programm:
Franz Schubert (1797-1828): Sonate C-Dur, D. 812 „Grand Duo“
Igor Strawinsky (1882-1971): Petruschka (Burleske in vier Bildern) für Klavier zu vier Händen
Dramatische Schönheit
Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ gehört zu den bedeutendsten Kammermusikwerken den 19. Jahrhunderts. Der zweite Satz verarbeitet das gleichnamige Kunstlied, in dem der Tod in beruhigender Weise zu einem jungen Mädchen spricht. Das Streichquartett in d-Moll ist von dramatischen Kontrasten geprägt, die zwischen düsterer Unruhe und lyrischer Innigkeit wechseln. Neben Schuberts Werk bringt das Armat Quartett zwei weitere Kammermusik-Perlen zur Aufführung: Beethovens Streichquartett Nr. 1 F-Dur op. 18 Nr. 1, entstanden um 1798–1800, zeigt seinen Übergang von der Klassik zur frühen Romantik. Besonders der zweite Satz, ein expressives Adagio, soll von der Grabesszene aus „Romeo und Julia“ inspiriert worden sein. Arvo Pärts „Da pacem Domine“ ist ein ruhiges, meditatives Werk, das auf einem alten Kirchenlied basiert. Mit seinen schwebenden Klängen und langsamen Harmoniewechseln schafft es eine Atmosphäre der Stille und Besinnung.
Das Armat Quartett wurde 2018 gegründet und besteht aus Mitgliedern der Symphoniker Hamburg: Hovhannes Baghdasaryan (Violine), Makrouhi Hagel (Violine), Sebastian Marock (Viola) und Theresia Rosendorfer (Violoncello). Der Name „Armat“ bedeutet auf Armenisch „Wurzel“ und spiegelt die kulturellen Wurzeln der Ensemblemitglieder wider. Das Quartett hat bereits mehrfach in der Drostei in Pinneberg Konzerte gegeben.
Kammersolisten des NDR Elbphilharmonie Orchesters
Großbesetzte Kammermusik mit Kontrabass? Bedeutende Werke für diese Besetzung kann man zwei Händen abzählen. Doch ganz vorne dabei: das großformatige Oktett von Franz Schubert für fünf Streicher und drei Bläser sowie das herrlich melodiöse „Kontrabass-Quintett“ op. 77 von Antonín Dvorák. Die Stücke stehen als Meisterwerke der kammermusikalischen Tradition des 19. Jahrhunderts. Schuberts Komposition besticht durch ihre Intimität und feinsinnige melodische Entfaltung, während Dvořáks Quintett mit seiner dynamischen Vielfalt und dem warmen Klang des Kontrabasses die Zuhörer in eine Welt voller Emotionen und tiefer musikalischer Erzählung entführt. Wenn dann noch acht Kammersolisten des NDR Elbphilharmonie Orchesters auf den Plan treten, kann man einen großartigen Abend erwarten – ausnahmsweise auch mal ohne Brahms, der eine große Wertschätzung für Schubert und Dvorák pflegte.
Ungewohnte Klänge
Von Samuel Coleridge-Tayer bis Franz Schubert – das Schleswig-Holsteinische Sinfonieorchester hat diesmal ein Programm im Gepäck, das sich weit abseits ausgetretener Klassik-Pfade bewegt: Der in London geborene Samuel Coleridge-Taylor suchte als Komponist nach einer Verbindung von europäischer Sinfonik und afrikanischen Volksweisen, um einen neuen Stil in der westlichen Kunstmusik zu schaffen. Sein Durchbruch gelang mit der „Ballade für Orchester a-Moll op. 33“. Haji Khanmammadov aus Aserbaidschan schrieb als Erster ein Konzert für die Langhalslaute Tar, ein traditionelles aserbaidschanisches Saiteninstrument, und verband darin Volksmusik mit klassischer Tradition. Seit 2012 zählt die Tar-Kultur zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe. Jennifer Higdons „SkyLine“ ist eine musikalische Hommage an Atlanta und fängt die charakteristischen Profile der Stadtarchitektur ein. Unvollendete Werke prägen schließlich Franz Schuberts Œuvre, besonders seine „7. Sinfonie h-Moll D759“ von 1822, mit der er Beethovens Einfluss überwinden wollte. Obwohl nie vollendet, wurde sie posthum ein großer Erfolg.