Eine Hommage an Friedrich Hollaender
Berlin, die 1920er Jahre. Kabaretts, Hinterzimmer, rauchige Bühnen – und mittendrin Friedrich Hollaender, der dem Lebensgefühl einer ganzen Epoche eine Melodie gab. Seine Songs für Marlene Dietrich, seine Texte voller Witz und Melancholie, sein Gespür für den Moment, in dem Unterhaltung und Zeitgeist eins werden – all das klingt noch heute nach. Zum 50. Todestag widmen sich Anna Haentjens und ihr langjähriger Pianist Sven Selle dem Komponisten und Textautor in einer musikalisch-literarischen Hommage, die das Berlin der 20er Jahre wieder lebendig werden lässt.
Für Anna Haentjens ist das kein Ausflug in fremdes Terrain. Die Chanson-Interpretin hat sich den deutschsprachigen Chanson der 20er und 30er Jahre zur Lebensaufgabe gemacht – seit ihrem Studium an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater, seit dem ersten Preis beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin 1981, seit Begegnungen und Freundschaften mit Komponisten wie Manfred Schmitz und Norbert Schultze, der ihr einmal attestierte, sie habe „ein eigenes Charisma“ und verstehe es, sich fremde Stile anzueignen, ohne sich dabei zu verlieren. Björn Engholm nannte sie das „singende Kleinod Schleswig-Holsteins“, der Kulturpreis der Stadt Elmshorn würdigte sie als Künstlerin, die „einen unterhaltsamen Abend abseits des Gängigen und ein interessantes Stück Zeitgeschichte“ bietet.
Beides trifft auf diesen Abend zu. Sven Selle, seit 1993 ihr musikalischer Weggefährte am Klavier, kennt ihr Repertoire und ihre Interpretationsweise so genau, dass die Grenze zwischen Begleitung und Zwiegespräch längst verschwommen ist. Ein Abend zwischen Witz und Wehmut, Zeitgeschichte und großen Songs.