Backstage

Avin Trio

Alte (Un)Bekannte

Das Avin Trio, ein junges, vielfach ausgezeichnetes Ensemble und Stipendiat des Deutschen Musikrats, gastiert mit seinem Programm „Alte (Un)Bekannte“ in Heide. Die drei Musiker:innen – Anna Avane (Violine), Lena Kravets (Violoncello) und Johannes Groß (Klavier) – stehen für eine frische, energiegeladene Interpretation klassischer Kammermusik und werden international für ihre stilistische Klarheit und emotionale Tiefe geschätzt. Das Konzert vereint bekannte und weniger bekannte Werke der Klaviertrioliteratur: Neben Ludwig van Beethovens berühmtem „Geistertrio“ erklingt das selten gespielte Zweite Klaviertrio von Johannes Brahms – ein Werk von großem Ausdrucksreichtum und kammermusikalischer Dichte. Als besondere Entdeckung steht außerdem ein Stück der britischen Komponistin Rebecca Clarke auf dem Programm, deren eindrucksvolle Musik erst in den letzten Jahren die ihr gebührende Aufmerksamkeit erhält. Ein Abend, der Bekanntes neu entdecken lässt und zugleich neugierig auf musikalische Schätze jenseits des Mainstreams macht.

Johannes Friedemann

Valses nobles et sentimentales am Piano

Johannes Friedemann wurde international bekannt, als er beim 50-jährigen Jubiläum der Berliner Philharmonie Beethovens fünftes Klavierkonzert interpretierte. Im Alter von sechzehn Jahren begann er sein Klavierstudium in Düsseldorf, danach studierte er an der Zürcher Hochschule der Künste und schloss sein Diplom mit Auszeichnung ab. Weitere künstlerische Anregungen erhielt er bei Vladimir Ashkenazy. Johannes Friedemann trat unter anderem bei der Biennale in Venedig, am Gewandhaus Leipzig und in der Tonhalle Düsseldorf auf. 2023 spielte er die Welturaufführung eines Klavierkonzertes anlässlich der Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen in Dubai. Beim internationalen Klavierwettbewerb Città di Cesenatico, sowie bei vielen anderen Wettbewerben gewann er zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Programm:

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791): Klaviersonate A-Dur KV 331
Ludwig van Beethoven (1770-1827): Klaviersonate cis-Moll Pathétique
Enrique Granados (1867-1917): Allegro de Concierto Op. 46
Maurice Ravel (1867-1917): Valses nobles et sentimentales
Franz Liszt (1811-1886): La Campanella

Svyatoslav Starchevsky

Musik im Krieg

Svyatoslav Starchevsky, 24, lebt in Odessa und macht mit Klaviermusik auf den Krieg in der Ukraine aufmerksam – selbst dann, wenn Drohnen über sein Haus kreisen und Granaten einschlagen. Seine Videos, die er in den sozialen Medien teilt, zeigen auf erschütternde Weise den Alltag im Kriegsgebiet und bewegen Menschen weltweit. Mit sieben Jahren begann er Klavier zu spielen, gewann mehrfach Wettbewerbe und studierte später Grafikdesign. Als Entwickler von Figuren für Computerspiele war er international gefragt, doch die erste Auslandschance scheiterte am Krieg. Heute lebt Svyatoslav weitgehend zurückgezogen und konzentriert sich ganz auf die Musik. Seine Aufnahmen aus dem Bombenhagel berühren durch die Verbindung von tiefer Musikalität und brutaler Realität. Ende Juli besucht Svyatoslav Starchevsky Deutschland – mit Musik von Beethoven, Coldplay und Linkin Park und persönlichen Einblicken in ein Leben zwischen Kunst und Krieg.

Staatsorchester Rheinische Philharmonie

Meisterwerke im Dialog

Mozarts „Haffner“-Sinfonie, Mendelssohns Klavierkonzert Nr. 1 und Beethovens 7. Sinfonie – das Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter der Leitung von Paul Godwin mit dem Pianisten Martin Stadtfeld stellt hier drei Werke von stilprägender Bedeutung gegenüber. Alle drei Werke zeigen auf unterschiedliche Weise die Ausdruckskraft ihrer Zeit: Mozart steht mit seiner festlich-virtuosen Sinfonie für die Spätklassik in Hochform, Mendelssohn vereint im romantischen Klavierkonzert Brillanz mit lyrischem Ausdruck, während Beethoven mit rhythmischer Wucht und Kühnheit neue Wege beschreitet. Die Werke leben von ihrer rhythmischen Kraft und emotionalen Tiefe – und spiegeln so eindrucksvoll den Übergang von Klassik zur Romantik.

Landesjugendorchester Hamburg & Viotta Symfonieorkest (Den Haag)

Tschaikowsky XL

Im Rahmen eines Jugendorchesteraustausches gastieren das Viotta Symfonieorkest aus Den Haag und das Landesjugendorchester Hamburg gemeinsam im theater itzehoe. In der ersten Konzerthälfte spielt das Viotta Symfonieorkest die majestätische „Leonoren-Ouvertüre Nr. 3“ von Beethoven sowie die „Amerikanische Suite“ von Dvorak, welche mit spritzigen Rhythmen und einem außerordentlichen Melodienreichtum überzeugt.

Nach der Pause bilden beide Orchester mit ca. 100 Jugendlichen zwischen 14-25 Jahren ein großes Sinfonieorchester, um die „5. Sinfonie“ von Tschaikowsky im XL-Format aufzuführen. Ein Schicksalsmotiv durchzieht alle vier Sätze dieser Sinfonie und wurde von Tschaikowsky selbst folgendermaßen erläutert:  „Vollständiges Sich-Beugen vor dem Schicksal oder was dasselbe ist, vor dem unergründlichen Walten der Vorsehung.“ Ein Werk zwischen Lebenshunger und Selbstzweifeln, welches heute zu den beliebtesten und meistgespielten Stücken des Russen zählt. Mit Spielfreude und Können überzeugen die jungen Nachwuchstalente auf höchstem Niveau.

Johannes Nies

Recital – Piano Perspectives

Von Carl Philipp Emanuel Bach bis Franz Schubert reicht das Repertoire, das der renommierte Pianist Johannes Nies für sein Konzert in Marne ausgewählt hat. Hier trifft expressive Freiheit auf virtuosen Anspruch: Bachs „Fantasia in C-Dur“ ist ein Paradebeispiel des empfindsamen Stils, Beethovens „32 Variationen über ein eigenes Thema in c-Moll“ bestechen durch ihre dramatische Intensität. Chopins „Nocturne in cis-Moll“ hingegen entfaltet eine melancholische, fast improvisatorische Eleganz, während Schuberts „Wanderer-Fantasie“ als monumentales Meisterwerk symphonische Dichte mit pianistischen Herausforderungen vereint. Jedes dieser Werke durchbrach auf seine Weise die musikalischen Grenzen seiner Epoche.

Johannes Nies ist seit längerem ein gern gesehener Gast im KBH Marne. Dank seiner herausragenden Begabung wurde er mit 15 Jahren Privatschüler des legendären Karl-Heinz Kämmerling. Bei ihm legte er 2007 an der Hochschule für Musik und Theater Hannover sein Diplom ab und studierte anschließend bis zu seinem Konzertexamen in der Soloklasse von Prof. Markus Becker, ebenfalls in Hannover. Zahlreiche Meisterkurse, u.a. bei Alfred Brendel und Pavel Gililov, runden seine Ausbildung ab. Johannes Nies erhielt zahlreiche Preise und Stipendien und konzertierte im In- und Ausland.

Programm:

Carl Philipp Emanuel Bach: Fantasia in C-Dur, H.291
Ludwig van Beethoven: 32 Variationen über ein eigenes Thema in c-Moll, WoO 80
Frédéric Chopin: Nocturne in cis-Moll, op. posth.
Franz Schubert: Fantasie in C-Dur, D 760 „Wanderer-Fantasie“

*** Pause ***

Mix mit Musik u.a. von Claude Debussy, Philip Glass, Nikolai Kapustin, Fazil Say, kombiniert mit eigenen Improvisationen

 

Konzert des SHMF: L’Orfeo Bläserensemble

Alla Turca

Die sogenannte „Janitscharenmusik“, ursprünglich die Militärmusik der Osmanen, war in den Jahrzehnten um 1800 im westlichen Europa ungemein beliebt und wurde von Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart oder Ludwig van Beethoven vielfach eingesetzt, um mit exotisch-östlichem Kolorit zu spielen. Wie in der originalen türkischen Militärmusik verwendeten sie dafür typischerweise Instrumente wie Basstrommel, Triangel und Zimbeln, außerdem sollten hohe Flöten und Klarinetten den Klang der Zurna – einer Art osmanischen Schalmei – imitieren. Das L’Orfeo Bläserensemble, das sich aus Mitgliedern des preisgekrönten L’Orfeo Barockorchesters zusammensetzt, nutzt den Umstand, dass viele der entsprechenden Werke – wie etwa Auszüge aus Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ – oftmals bereits kurz nach der Entstehung als sogenannte „Harmoniemusik“ arrangiert wurden. Orchesterstücke waren damit für reine Bläserbesetzungen spielbar und konnten auch bei Freiluftkonzerten oder Tafelmusiken aufgeführt werden. Und heute ebenso in Schleswig-Holsteinischen Kirchen – „Welche Wonne, welche Lust“, wie es so schön in Mozarts „Entführung“ heißt.

Armat Quartett: „Der Tod und das Mädchen“

Dramatische Schönheit

Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ gehört zu den bedeutendsten Kammermusikwerken den 19. Jahrhunderts. Der zweite Satz verarbeitet das gleichnamige Kunstlied, in dem der Tod in beruhigender Weise zu einem jungen Mädchen spricht. Das Streichquartett in d-Moll ist von dramatischen Kontrasten geprägt, die zwischen düsterer Unruhe und lyrischer Innigkeit wechseln. Neben Schuberts Werk bringt das Armat Quartett zwei weitere Kammermusik-Perlen zur Aufführung: Beethovens Streichquartett Nr. 1 F-Dur op. 18 Nr. 1, entstanden um 1798–1800, zeigt seinen Übergang von der Klassik zur frühen Romantik. Besonders der zweite Satz, ein expressives Adagio, soll von der Grabesszene aus „Romeo und Julia“ inspiriert worden sein. Arvo Pärts „Da pacem Domine“ ist ein ruhiges, meditatives Werk, das auf einem alten Kirchenlied basiert. Mit seinen schwebenden Klängen und langsamen Harmoniewechseln schafft es eine Atmosphäre der Stille und Besinnung.

Das Armat Quartett wurde 2018 gegründet und besteht aus Mitgliedern der Symphoniker Hamburg: Hovhannes Baghdasaryan (Violine), Makrouhi Hagel (Violine), Sebastian Marock (Viola) und Theresia Rosendorfer (Violoncello). Der Name „Armat“ bedeutet auf Armenisch „Wurzel“ und spiegelt die kulturellen Wurzeln der Ensemblemitglieder wider. Das Quartett hat bereits mehrfach in der Drostei in Pinneberg Konzerte gegeben.

Jacob Nydegger

Recital: Zwischenwelten

Für sein Konzert in Marne hat der amerikanische Pianist Jacob Nydegger ein sehr spezielles Programm zusammengestellt: Von Igor Straor Stravinsky „Petruschka“ über Alexander Skrjabins Sonate Nr. 5 und Préludes von S. Andrew Lloyd bis hin zu Beethovens  Sonate Nr. 30 in E-Dur reicht die Bandbreite des Abends. Anhand der Werke demonstriert der Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe, wie die Komponisten in den unterschiedlichen Epochen mit den Gegensätzen in der Musik gearbeitet haben. Von Strawinskys lebendigem Spiel zwischen Mensch und Puppe bis hin zu Beethovens Mischung aus Sanftheit und Stärke verdeutlicht das Programm, dass Gegensätze nicht nur Konflikte bedeuten. Sie können auch Harmonie, Ausgleich und die besondere Schönheit zeigen, die entsteht, wenn Gegensätze zusammenwirken. Gleichzeitig loten die Werke die Vielfalt und Möglichkeiten des Klaviers als Instrument aus und schlagen eine Brücke zwischen unterschiedlichen Epochen und Stilen.

6. Sinfoniekonzert des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters (Sturm)

Stürmische Zeiten

Die Zeichen stehen in Brunsbüttel auf Sturm – allerdings (hoffentlich) nur musikalisch. Das Schleswig- Holsteinischen Landestheater ist wieder im Elbeforum zu Gast und präsentiert ein kraftvolles Konzert unter der Leitung von Sergi Roca Bru. Auf dem Programm stehen: Die Faust-Ouvertüre op. 46, von 1881 von Emilie Mayer. Die 1812 geborene Mayer, bekannteste Komponistin der Romantik, galt als „weibliche Beethoven“. In einem offenen Haus in Berlin lebend pflegte sie Kontakte zu vielen bedeutenden Persönlichkeiten.  Puccinis Streichquartette stehen im Schatten seiner Opern. Die Crisantemi Partitur könnte Opernfreunden vertraut sein, in Manon Lescaut begleitet sie die Sterbeszene der Titelheldin, gilt doch die Chrysantheme als Trauerblumen. Florence Price,  geboren 1887, ist erste Afroamerikanerin, die als klassische Komponistin bekannt wurde. Für sie war kein Platz im musikalischen Kanon, ein Großteil ihrer Kompositionen blieb unveröffentlicht. Im Elbeforum erklingt  ihr Klavierkonzert in d-Moll. Das Beethoven-Musical im Elbeforum war großes Musiktheater; heute steht aber nicht Beethoven selbst im Mittelpunkt, sondern seine 7. Sinfonie A-Dur op. 92 von 1811/12. Sie gilt als musikalische Auseinandersetzung mit den Befreiungskriegen.

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