Feinst gewobene Klavier-Interpretationen
Marina Kondraschewa (Ukraine/Deutschland) und Sebastian Chica Villa (Kolumbien) studierten an der Hochschule der Künste in Bremen und musizieren seit 2010 als Pianoduo. Mit risikoreicher Verve und fast popmusikalisch anmutendem, völlig unakademischen Appeal bringen sie feinst gewobene Interpretationen von anspruchsvoller klassischer und zeitgenössischer Klaviermusik für vier Hände zu Gehör. Das Programm, sowie die Frische und Intensität der Interpretation sind absolut hörenswert – auch für Hörer, die bisher mit sogenannter “klassischer” Klaviermusik nicht so viel anzufangen wissen.
Den Auftakt des Abends bilden drei Werke Johann Sebastian Bachs: das innige „Jesus bleibet meine Freude“ aus der Kantate BWV 147, das pastorale „Schafe können sicher weiden“ aus BWV 208 sowie das festliche „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ aus der Kantate BWV 140. Es folgt Ludwig van Beethovens dramatische Ouvertüre zu „Coriolan“. Mit Helmut Schmidingers „Von der Ellbogentechnik zum Fingerspitzengefühl“ und Marc Mellits „Postcards of Dreadlock I–III“ wendet sich das Programm der Gegenwart zu. Den Abschluss bilden zwei weitere zeitgenössische Werke: Antonio Correas „Apolo“ sowie Vilte Zakeviciutes poetisches „When we do find each other again, we will be birds“.
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Musikalische Geschichtenerzähler
Das Trio Brontë wurde 2022 in Berlin gegründet und besteht aus der deutsch-italienischen Geigerin Chiara Sannicandro, der bulgarischen Pianistin Lili Bogdanova und der amerikanischen Cellistin Annie Jacobs-Perkins. Aufgewachsen mit den leidenschaftlichen, turbulenten Romanen der Brontë-Schwestern, ist das Trio nach den Brontës benannt und von ihrer Leidenschaft für das Geschichtenerzählen, ihrer Intelligenz und ihrer Kameradschaft inspiriert.
Mit dem Programm „Emily Brontë’s influences“ lassen die drei Musikerinnen imaginäre Verbindungen aufleuchten, denn begegnet sind sich Beethoven, die Mendelssohns und die Brontë-Schwestern nie. Was sie eint, ist ihre emotionale Intensität und die innere Dramatik, mit der sie auf eine Zeit des Umbruchs reagieren: Auf sich verändernde Rollenbilder, neue politische Ideen oder auch die Industrialisierung. Und so ist es vielleicht gerade diese „Nicht-Begegnung“, die dieses Programm so spannungsreich macht.
Programm:
Ludwig v. Beethoven – Klaviertrio Op.70, Nr.1 „Geistertrio“
Fanny Mendelssohn – Klaviertrio in d-moll, Op.11
Fanny Mendelssohn – Adagio für Violine und Klavier
Fanny Mendelssohn – Capriccio für Violoncello und Klavier
Felix Mendelssohn – Klaviertrio in c -Moll, Op.66
Ein interaktives Krimikonzert
Hier kommen Klassikfreunde UND Krimifans auf ihre Kosten. Es beginnt mit einem ganz normalen Konzert mit der Violinistin Johanna Franz und der Pianistin Patricia Ramírez-Gastón, moderiert von Juri Tetzlaff. Doch dann läuft der Abend aus dem Ruder! Ein legendäres, unbezahlbares Instrument verschwindet auf unerklärliche Weise. Es beginnt eine hektische Suche, denn es geht für alle auf der Bühne um Ruhm oder Ruin, Applaus oder Absturz, Leben oder Tod. Und natürlich wirken alle auch verdächtig, schließlich haben alle eine Leiche im Keller. Auch das Publikum ist aufgefordert, sich an den Ermittlungen beteiligen und etwas zur Lösung dieses fürchterlichen Verbrechens beitragen. Ein Programm für alle, die Krimis, Unterhaltung mit Niveau und nicht zuletzt auch gute Musik lieben!
Das musikalische Programm:
Christine Donkin: „Catch me if you can!“
Vittorio Monti: „Csárdás“
Ludwig van Beethoven: Violinsonate Nr. 5 F-Dur „Frühlingssonate“ op. 24
Astor Piazzolla: „Vuelvo al Sur“
und vieles mehr…
Zwischen Mineralwasser und Schwarzer Messe
Wenn Haydns Musik ein Getränk wäre, dann ein spritziges Mineralwasser: Seine Sonate Hob. XVI:49 in Es-Dur eröffnet den Abend mit Leichtigkeit und Charme. Ganz anders Beethovens „Mondscheinsonate“, die die klassische Sonatenform auf den Kopf stellt – mit einem melancholischen ersten Satz, einem kurzen Intermezzo („eine Blume zwischen zwei Abgründen“, Liszt) und einem leidenschaftlich aufbrausenden Finale.
Nach der Pause folgt Skrjabins „Schwarze Messe“, ein düsteres Klangdrama über Sünde und Unschuld, das sich zu ekstatischer Intensität steigert. Den Abschluss bildet Liszts h-Moll-Sonate – ein pianistisch hochvirtuoses Werk, das aus einem einzigen Thema eine Fülle an Charakteren und Stimmungen entfaltet, oft in Verbindung mit Goethes „Faust“ gedeutet.
Der deutsch-mexikanische Pianist Christian Uebel begann mit sieben Jahren in Caracas Klavier zu spielen. Er studierte bei namhaften Lehrern in London, Den Haag und Kassel und erhielt künstlerische Impulse unter anderem von Igor Kamenz, bei dem er Beethovens späte Sonaten vertiefte.
Alte (Un)Bekannte
Das Avin Trio, ein junges, vielfach ausgezeichnetes Ensemble und Stipendiat des Deutschen Musikrats, gastiert mit seinem Programm „Alte (Un)Bekannte“ in Heide. Die drei Musiker:innen – Anna Avane (Violine), Lena Kravets (Violoncello) und Johannes Groß (Klavier) – stehen für eine frische, energiegeladene Interpretation klassischer Kammermusik und werden international für ihre stilistische Klarheit und emotionale Tiefe geschätzt. Das Konzert vereint bekannte und weniger bekannte Werke der Klaviertrioliteratur: Neben Ludwig van Beethovens berühmtem „Geistertrio“ erklingt das selten gespielte Zweite Klaviertrio von Johannes Brahms – ein Werk von großem Ausdrucksreichtum und kammermusikalischer Dichte. Als besondere Entdeckung steht außerdem ein Stück der britischen Komponistin Rebecca Clarke auf dem Programm, deren eindrucksvolle Musik erst in den letzten Jahren die ihr gebührende Aufmerksamkeit erhält. Ein Abend, der Bekanntes neu entdecken lässt und zugleich neugierig auf musikalische Schätze jenseits des Mainstreams macht.
Valses nobles et sentimentales am Piano
Johannes Friedemann wurde international bekannt, als er beim 50-jährigen Jubiläum der Berliner Philharmonie Beethovens fünftes Klavierkonzert interpretierte. Im Alter von sechzehn Jahren begann er sein Klavierstudium in Düsseldorf, danach studierte er an der Zürcher Hochschule der Künste und schloss sein Diplom mit Auszeichnung ab. Weitere künstlerische Anregungen erhielt er bei Vladimir Ashkenazy. Johannes Friedemann trat unter anderem bei der Biennale in Venedig, am Gewandhaus Leipzig und in der Tonhalle Düsseldorf auf. 2023 spielte er die Welturaufführung eines Klavierkonzertes anlässlich der Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen in Dubai. Beim internationalen Klavierwettbewerb Città di Cesenatico, sowie bei vielen anderen Wettbewerben gewann er zahlreiche Preise und Auszeichnungen.
Programm:
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791): Klaviersonate A-Dur KV 331
Ludwig van Beethoven (1770-1827): Klaviersonate cis-Moll Pathétique
Enrique Granados (1867-1917): Allegro de Concierto Op. 46
Maurice Ravel (1867-1917): Valses nobles et sentimentales
Franz Liszt (1811-1886): La Campanella
Musik im Krieg
Svyatoslav Starchevsky, 24, lebt in Odessa und macht mit Klaviermusik auf den Krieg in der Ukraine aufmerksam – selbst dann, wenn Drohnen über sein Haus kreisen und Granaten einschlagen. Seine Videos, die er in den sozialen Medien teilt, zeigen auf erschütternde Weise den Alltag im Kriegsgebiet und bewegen Menschen weltweit. Mit sieben Jahren begann er Klavier zu spielen, gewann mehrfach Wettbewerbe und studierte später Grafikdesign. Als Entwickler von Figuren für Computerspiele war er international gefragt, doch die erste Auslandschance scheiterte am Krieg. Heute lebt Svyatoslav weitgehend zurückgezogen und konzentriert sich ganz auf die Musik. Seine Aufnahmen aus dem Bombenhagel berühren durch die Verbindung von tiefer Musikalität und brutaler Realität. Ende Juli besucht Svyatoslav Starchevsky Deutschland – mit Musik von Beethoven, Coldplay und Linkin Park und persönlichen Einblicken in ein Leben zwischen Kunst und Krieg.
Meisterwerke im Dialog
Mozarts „Haffner“-Sinfonie, Mendelssohns Klavierkonzert Nr. 1 und Beethovens 7. Sinfonie – das Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter der Leitung von Paul Godwin mit dem Pianisten Martin Stadtfeld stellt hier drei Werke von stilprägender Bedeutung gegenüber. Alle drei Werke zeigen auf unterschiedliche Weise die Ausdruckskraft ihrer Zeit: Mozart steht mit seiner festlich-virtuosen Sinfonie für die Spätklassik in Hochform, Mendelssohn vereint im romantischen Klavierkonzert Brillanz mit lyrischem Ausdruck, während Beethoven mit rhythmischer Wucht und Kühnheit neue Wege beschreitet. Die Werke leben von ihrer rhythmischen Kraft und emotionalen Tiefe – und spiegeln so eindrucksvoll den Übergang von Klassik zur Romantik.
Tschaikowsky XL
Im Rahmen eines Jugendorchesteraustausches gastieren das Viotta Symfonieorkest aus Den Haag und das Landesjugendorchester Hamburg gemeinsam im theater itzehoe. In der ersten Konzerthälfte spielt das Viotta Symfonieorkest die majestätische „Leonoren-Ouvertüre Nr. 3“ von Beethoven sowie die „Amerikanische Suite“ von Dvorak, welche mit spritzigen Rhythmen und einem außerordentlichen Melodienreichtum überzeugt.
Nach der Pause bilden beide Orchester mit ca. 100 Jugendlichen zwischen 14-25 Jahren ein großes Sinfonieorchester, um die „5. Sinfonie“ von Tschaikowsky im XL-Format aufzuführen. Ein Schicksalsmotiv durchzieht alle vier Sätze dieser Sinfonie und wurde von Tschaikowsky selbst folgendermaßen erläutert: „Vollständiges Sich-Beugen vor dem Schicksal oder was dasselbe ist, vor dem unergründlichen Walten der Vorsehung.“ Ein Werk zwischen Lebenshunger und Selbstzweifeln, welches heute zu den beliebtesten und meistgespielten Stücken des Russen zählt. Mit Spielfreude und Können überzeugen die jungen Nachwuchstalente auf höchstem Niveau.
Recital – Piano Perspectives
Von Carl Philipp Emanuel Bach bis Franz Schubert reicht das Repertoire, das der renommierte Pianist Johannes Nies für sein Konzert in Marne ausgewählt hat. Hier trifft expressive Freiheit auf virtuosen Anspruch: Bachs „Fantasia in C-Dur“ ist ein Paradebeispiel des empfindsamen Stils, Beethovens „32 Variationen über ein eigenes Thema in c-Moll“ bestechen durch ihre dramatische Intensität. Chopins „Nocturne in cis-Moll“ hingegen entfaltet eine melancholische, fast improvisatorische Eleganz, während Schuberts „Wanderer-Fantasie“ als monumentales Meisterwerk symphonische Dichte mit pianistischen Herausforderungen vereint. Jedes dieser Werke durchbrach auf seine Weise die musikalischen Grenzen seiner Epoche.
Johannes Nies ist seit längerem ein gern gesehener Gast im KBH Marne. Dank seiner herausragenden Begabung wurde er mit 15 Jahren Privatschüler des legendären Karl-Heinz Kämmerling. Bei ihm legte er 2007 an der Hochschule für Musik und Theater Hannover sein Diplom ab und studierte anschließend bis zu seinem Konzertexamen in der Soloklasse von Prof. Markus Becker, ebenfalls in Hannover. Zahlreiche Meisterkurse, u.a. bei Alfred Brendel und Pavel Gililov, runden seine Ausbildung ab. Johannes Nies erhielt zahlreiche Preise und Stipendien und konzertierte im In- und Ausland.
Programm:
Carl Philipp Emanuel Bach: Fantasia in C-Dur, H.291
Ludwig van Beethoven: 32 Variationen über ein eigenes Thema in c-Moll, WoO 80
Frédéric Chopin: Nocturne in cis-Moll, op. posth.
Franz Schubert: Fantasie in C-Dur, D 760 „Wanderer-Fantasie“
*** Pause ***
Mix mit Musik u.a. von Claude Debussy, Philip Glass, Nikolai Kapustin, Fazil Say, kombiniert mit eigenen Improvisationen