Familiensache
Zwei Maler, eine Familie, zwei völlig eigene Wege zur Leinwand: Ulf Petermann, 1950 geboren und 2025 gestorben, studierte Malerei an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel bei Harald Duwe und fand in der Tradition der Norddeutschen Realisten seine künstlerische Heimat. Ab 2005 lebte und arbeitete er in Husum-Schobüll – an der Küste, in der Stille, im eigenen Rhythmus.
Seine Tochter Hanna wuchs im Atelier des Vaters auf – und entschied sich zunächst für einen anderen Weg. Sie studierte Querflöte, wurde festes Mitglied der Bremer Philharmonie und spielte acht Jahre im Orchester. Dann, 2013, verlagerte sich etwas. Die Malerei, die sie seit Kindheitstagen umgeben hatte, rückte in den Mittelpunkt. Sie kündigte ihre Orchesterstelle und lebt heute als freischaffende Malerin in Augsburg.
Die Galerie 11 ehrt mit dieser Ausstellung beide – den Vater als einen der bedeutenden realistischen Maler des Landes, die Tochter als Künstlerin, die ihren eigenen Blick längst gefunden hat. Zwei Perspektiven, ein Titel: Mit vier Augen.
Die Ausstellungseröffnung findet statt am Sonnabend, 19. September 2026. Hanna Petermann wird anwesend sein.
Öffnungszeiten: Do 11-14 Uhr, Fr 15-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr
Bilder-Vortrag von Dr. Hans Thomas Carstensen
Lotte Laserstein (1898 – 1993) ist eine herausragende Vertreterin der sogenannten „verschollenen Generation“. Zwischen 1925 und 1933 erregten ihre faszinierenden Menschenbildnisse, die mit ihrer frappierenden Realitätstreue sogar die Werke der Neuen Sachlichkeit übertrafen, in Deutschland großes Aufsehen. Doch 1933 wurde die in Ostpreußen geborene, evangelisch getaufte Künstlerin zur Jüdin erklärt und ins Exil nach Schweden gezwungen. Dort musste sie auf sich allein gestellt wieder mühsam ihre verlorene Stellung in der Kunstwelt erkämpfen. Doch Lotte Laserstein hat nie aufgegeben, denn ihre eigentliche Heimat hatte sie nicht verloren: „Ich hätte die Jahre nicht durchstehen können, in denen mir alles genommen wurde: Familie, Freunde und Heimat, hätte ich nicht meine eigene Wirklichkeit im Malkasten gehabt.“
Der Hamburger Kunsthistoriker Dr. Hans Thomas Carstensen hat bei Martin Warnke über Rembrandts Beziehungen zum Judentum promoviert. Er ist in ganz Deutschland unterwegs als Erzähler von Kunstgeschichten, in denen Leben, Werk und historisches Umfeld großer Künstler als spannende Geschichte präsentiert werden. Regelmäßig ist er auch Gast im KBH Marne.
Die Spannung des Alltäglichen
Janine Seelen interessiert sich in ihren Werken für Situationen, die im Vorübergehen kaum Beachtung finden: ein leerer Tennisplatz, ein Zelt im Zwielicht, ein Balkon, ein Innenraum, der von einem einzigen Lichtstrahl durchzogen wird. Die Motive sind vertraut und zugleich entrückt. Sie wirken wie Bühnen, auf denen etwas gerade geschehen ist oder gleich geschehen könnte. Diese Spannung zwischen Ruhe und Erwartung ist ein zentrales Moment ihres Werks. In ihrer Serie „MY DAILY DOSE“ erweitert sie ihr Repertoire um stark vergrößerte Darstellungen von Tabletten und Verpackungen – Artefakte einer Gegenwart, die von Selbstoptimierung, Kontrolle und Körperbildern geprägt ist. Unter Harzschichten konserviert, wirken sie wie stille Zeugen eines gesellschaftlichen Zustands.
In der Serie „RESET“ richtet Janine Seelen ihren Blick auf Kippschalter, Bedienfelder und Leuchtpunkte. Ihr Interesse gilt hier weniger der technischen Präzision als vielmehr der psychologischen Dimension dieser Objekte. Auf den Bildern fungieren sie als metaphorische Schnittstellen, an denen Entscheidungen, Richtungswechsel und Unterbrechungen stattfinden. Ein Knopf wird zum Symbol für Handlungsmacht und Kontrollverlust, ein Schalter zum Bild für Übergänge, für das fragile Gleichgewicht zwischen Aktivierung und Stillstand. Janine Seelen schafft Bilder, die nicht erklären, sondern einladen: zum Innehalten, zum Hinsehen, zum Spüren jener feinen Verschiebungen, in denen das Gewöhnliche plötzlich außergewöhnlich wird.
Eröffnung der Ausstellung: Sonntag, 23. August 2026 um 16:00 Uhr. Die Künstlerin ist anwesend.
Streifzüge des Denkens und Empfindens
Die in Sachsen-Anhalt lebende Simone Distler nutzt für ihre Malerei eine Mischtechnik auf Leinwand und Papier. Ihre Bilder sind Streifzüge des Denkens und Empfindens. Obgleich sie keine Abbilder von Landschaften malt, entstehen Assoziationen zur Natur. Strukturen, die malerische Geste und das Arbeiten mit überlagerten Farbschleiern stehen einander gegenüber oder greifen ineinander. Transparenz und Leichtigkeit wechseln mit Verdichtung und Schwere und alles scheint in Bewegung. Es gelingt ihr, Resonanzräume von geistig-seelischer Qualität zu schaffen, die eine überraschende Zwiesprache im Betrachter ermöglichen.
Öffnungszeiten:
Mi–Fr 10–12 & 16–18 Uhr,
Sa & So 11–13 Uhr.
Wenn die Stadt zur Metapher wird
Der Kunstverein Elmshorn präsentiert vom 24. April bis 5. Juni 2026 die Ausstellung „Zerbrechliche Welt“ der Hamburger Künstlerin Katharina Duwe. In großformatigen Gemälden entwirft sie fiktive Stadtlandschaften – ein kaleidoskopartiges Spannungsfeld zwischen urbaner Architektur und wuchernder Natur. Ihre Serien „Urbanität“, „Stadtmenschen“ und „Lichtreflexe“ kreisen eindringlich um die Frage, wie wir als Menschen in einer sich rasant verändernden Welt leben.
Duwe zählt zu den prägenden Stimmen der zeitgenössischen Malerei in Hamburg. Als Tochter von Harald und Heilwig Duwe entstammt sie einer bedeutenden Künstlerfamilie und hat eine unverwechselbare Handschrift entwickelt, die weit über die Region hinaus Beachtung findet. Internationale Arbeitsaufenthalte von New York bis Marrakesch, zahlreiche Auszeichnungen und die Präsenz ihrer Werke in renommierten Sammlungen unterstreichen ihre künstlerische Bedeutung.
Die Eröffnung findet am Freitag, 24. April, um 18 Uhr statt – mit einem Künstlergespräch statt klassischer Einführung.
Am 28. Mai lädt ein Workshop für Jugendliche (10–16 Jahre, 10 €) zur kreativen Auseinandersetzung ein. Anmeldung bis 21. Mai: info@kunstverein-elmshorn.de
Öffnungszeiten:
Mi–Fr 10–12 & 16–18 Uhr,
Sa & So 11–13 Uhr.
Querschnitt – Malerei und Skulptur
Das Palais für aktuelle Kunst zeigt Werke aus sechs Jahrzehnten des in Krempe lebenden Künstlers Rolf Rose. Der 1933 in Halberstadt geborene Künstler fand erst mit 30 Jahren zu seiner künstlerischen Bestimmung – und verfolgt diesen Weg seitdem mit beeindruckender Konsequenz. Roses Arbeiten sind ungegenständlich: Statt Motive abzubilden, rücken Farbe, Materialität und Struktur in den Mittelpunkt. Der Entstehungsprozess ist dabei ein körperlicher Akt des Ordnens: Mit Rakeln und Spachteln bearbeitet er pastos aufgetragene Farbschichten auf Leinwand, Holz oder Papier. So entstehen vielschichtige Farbkörper, die grundlegende Fragen der Malerei – etwa nach Licht, Raumwirkung und Dichte – erforschen.
Die Ausstellung macht deutlich, dass Rose sein Werk als zusammenhängenden Entwicklungsprozess versteht. Jedes Bild, jede Plastik baut auf dem Vorherigen auf und führt den Gedanken weiter. Es entsteht eine fortlaufende künstlerische Bewegung, in der sich die einzelnen Arbeiten gegenseitig ergänzen und tragen. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, im Palais für aktuelle Kunst e. V. in diese konzentrierten Bildwelten einzutauchen und das Zusammenspiel von Struktur, Material und Licht unmittelbar zu erleben.
Die Vernissage der Ausstellung findet am Sonntag, den 31.05.26 um 14:30 statt. Die Vernissage der Ausstellung am Sonntag, den 31.05.26 um 14:30. Begleitend findet am 18.06.26 um 19:00 Uhr eine „Kunst.Sprech.Stunde“ statt, bei der zwei der ausgestellten Werke betrachtet werden. Am Freitag, den 03.07.26 ist Rolf Rose um 19:00 Uhr im Rahmen eines Künstlergesprächs im Palais für angewandte Kunst zu Gast. Die Finissage ist am Sonntag, den 19.07.26 um 16:00 Uhr.
Öffnungszeiten:
Freitag bis Sonntag, 13 bis 17 Uhr
AugenBlicke
Mit Irene Heller-Janton und Isabel Lange stellt die Galerie 11 zwei Künstlerinnen vor, die seit Jahrzehnten in der Kreativszene des Landes mitmischen. Beide sind mit einer handwerklichen Ausbildung gestartet und haben inzwischen ihren eignen, unverkennbaren künstlerischen Ausdruck gefunden.
Irene Heller-Janton studierte Gestaltung in Hamburg bei Gisela Bührmann und ist seit 50 Jahren als diplomierte Textildesignerin tätig. Vor über 30 Jahren rückte in ihrem Atelier die freie Malerei in ihren Mittelpunkt. Ihre Bilder sind farblich reich und durchdacht komponiert – mal mit erkennbaren Motiven wie Figuren, gerne Gesichtern und Ausschnitten oder Blumen, ganzen Gärten oder Landschaften – mal von der Wirklichkeit entrückt und sphärisch klingend oder von mystischen Strukturen durchsetzt.
Isabel Lange hat in Schleswig-Holstein eine große Werkstatt für Metall und arbeitet am liebsten mit Eisen. Dabei entstehen klassische Formen von Vögeln oder Figurinen. Wiedererkennbar sind ihre Stelen: Frauendarstellungen, bei denen das Kleid, das große Tuch oder auch die Haare zusammengesetzt sind aus einzelnen verschweißten Mosaikteilen, die dann mit den vielen Zwischenräumen wie ein Scherenschnitt in Schwarz-Weiß erscheinen. Einige solcher Damen im Wind stehen an öffentlichen Plätzen.
Der Titel der Ausstellung „AugenBlicke“ bezieht sich dabei auf die Spontaneität, sich für ein Motiv zu entscheiden, sowie auf die Vergänglichkeit schöner Augenblicke. Bei der Ausstellungseröffnung am Sonnabend, 21. März, um 17 Uhr, wird die Galeristin Bettina Winkler-Marxen wird die Künstlerinnen in einem Interview vorstellen.
Öffnungszeiten: Do 11-14 Uhr, Fr 15-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr
Zwischen Musik und Leinwand
Über sein Werk schrieb das Hamburger Abendblatt: „Michael Wilkes Malerei erleichtert den Zugang durch gegenständliche und figurale Anhaltspunkte von gewinnender Wirkung. … Es entstehen keine Abbilder, sondern Inbilder aus dem Blick in die Tiefe.“ Die Motive für seine Ölgemälde findet der gebürtige Hamburger Maler und Pianist häufig im maritimen Umfeld – sei es der Hafen oder die Landschaften vor und hinter den Dünen. Als ausgebildeter Musiker lässt er es sich nicht nehmen, seine Kunst auch klanglich zu untermalen: Bei der Vernissage am 25. Januar um 17 Uhr begrüßt er die Gäste mit zwei Chopin-Stücken am Klavier. Zur Finissage am Sonntag, 22. März um 18 Uhr, klingt die Ausstellung dann mit einem Klavierabend aus.
Out of the Blue
Woher kommen die Motive in Jana Jacobs Bildern? Sie sagt: „Da, wo die Realität durch einen flüchtigen, traumähnlichen Zustand geht. Dort, wo Menschen das Gefühl haben, sich zu erkennen.“ OUT OF THE BLUE (deutsch: aus heiterem Himmel) verweist auf dieses Spiel mit dem Unerwarteten, das den Geist frisch hält und ständig neue Wege erfordert.
Jana Jacob ist eine deutsch-thailändische Künstlerin aus Süddeutschland. Sie studierte Freie Kunst in Stuttgart, Paris und San Francisco und lebt seit 15 Jahren in Berlin. Mit Malerei aufgewachsen, wandte sie sich zuerst der Video- und Performancekunst zu, um dann wieder zur Malerei zurückzukehren. Grundlage ihrer Bilder sind Referenzfotos, in den letzten beiden Jahren primär von sich selbst. So wird Ihr Körper zum Objekt, arrangiert in Beziehung zu alltäglichen Gegenständen wie Stühlen oder Luftmatratzen. Durch eine besondere Draufsicht und zum Teil extreme Perspektiven entfernt sich das Motiv zurück vom Alltäglichen ins Unerwartete oder auch Unheimliche.
Die Eröffnung findet statt am Sonnabend, 7. Februar, um 17 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin. Das geführte Interview erscheint dann bei Kultur und Wort, dem Kunst-Podcast ausm Norden.
Danach läuft die Ausstellung noch bis zum 14. März. An diesem letzten Tag findet dann um 13 Uhr die Finissage mit der Künstlerin statt.
Die Öffnungzeiten sind: Do 11-14 Uhr, Fr 15-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr
Debüt des Antiperfektionisten
Nicolas Wagner ist 22 Jahre alt und in Marne aufgewachsen, wo er an der Europaschule auch sein Abitur absolviert hat. Die Kunst war immer wichtiger Bestandteil seines Lebens. Da schon seine Mutter gern gemalt hat, war im Hause stets alles vorhanden, was man zur Malerei benötigt. Allerdings wurde für Nicolas Wagner erst mit dem Auszug aus dem Elternhaus eine echte Leidenschaft daraus. In den eigenen vier Wänden hatte er nun die nötige Privatsphäre und den Freiraum, die im Kopf kreisenden Fantasien und Gedanken auf die Leinwand zu bannen. Vorzugsweise auf runde Leinwände, die er selbst bespannt. Seine kraftvoll expressiven Bilder entstehen spontan. „Perfektionismus? Das gibt es bei mir nicht“, erklärt Nicolas Wagner. Es beginnt mit einer vagen Idee – der Rest ist Intuition. Und sein zweifellos vorhandenes Talent. Unter dem Titel „Kreisen“ präsentiert das KBH die allererste Ausstellung des jungen Künstlers.