Vier Jahrzehnte Kammermusik
Es begann eigentlich recht unspektakulär: 1983 gründeten die drei noch blutjungen Geschwister Schmidt und eine befreundete Bratschenschülerin ein Streichquartett. Was damals in jugendlicher Unbekümmertheit begann, ist heute eine der beständigsten Karrieren der Kammermusikwelt: Tourneen von New York bis Buenos Aires, Manila bis Peking, ein eigenes Musikfest in Hambach seit 1997, eine Konzertreihe in der Berliner Philharmonie seit 2010 – und ein besonderes, jahrzehntelanges Verhältnis zu Johannes Brahms, dessen Kammermusikwerk das Mandelring Quartett mehrfach zyklisch aufgeführt und eingespielt hat.
Die Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein verleiht dem Ensemble nun den mit 10.000 Euro dotierten Brahms-Preis 2026 – und reiht es damit in eine Liste ein, die Leonard Bernstein, Dietrich Fischer-Dieskau, Anne-Sophie Mutter und Yehudi Menuhin umfasst.
Der Abend ist natürlich mehr als eine Preisverleihung. Das Quartett lässt es sich nicht nehmen ein Konzert zu geben und spielt Brahms‘ Streichquartett a-moll op. 51/2. Und für das Streichquintett G-Dur op. 111 kehrt der Bratscher Roland Glassl als Verstärkung zurück – von 1999 bis 2015 selbst Mitglied des Ensembles. Ein ehemaliger Weggefährte als erster Gratulant: passender könnte es kaum sein.
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Das Preisträgerkonzert
Der Preisträger des Brahms-Preises 2025 steht fest: Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung geht an den Windsbacher Knabenchor mit seinem Leiter Ludwig Böhme. Der vor bald 80 Jahren gegründete Knabenchor erfährt seit Jahrzehnten eine breite internationale Anerkennung für seine herausragenden künstlerischen Leistungen, nicht zuletzt auch auf dem Gebiet der Brahms-Interpretation. So wird sich der Chor dann beim Preisträgerkonzert – neben einem Blick auf die wunderbare Chormusik von Heinrich Schütz und Felix Mendelssohn Bartholdy – natürlich auch mit Werken von Johannes Brahms für die Auszeichnung bedanken.
Die 1987 gegründete Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein verleiht seit 1988 alljährlich den Brahms-Preis an herausragende Persönlichkeiten und Interpreten der klassischen Musik. Zu den Preisträgern gehören berühmte Namen wie Leonard Bernstein, Sir Yehudi Menuhin, Dietrich Fischer-Dieskau, Anne-Sophie Mutter, Sabine Meyer, Christoph Eschenbach, Herbert Blomstedt, Midori und Kent Nagano.
And the winner is … Kent Nagano! Der Brahms-Preis geht in diesem Jahr an den aus Kalifornien stammenden Dirigenten und Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters. In Hamburg hat sich der Maestro nicht zuletzt auch intensiv mit Johannes Brahms beschäftigt und neue Perspektiven auf dessen Werk eröffnet. Im gelingt dabei der Balanceakt, dieses Erbe auch breiteren Publikums-Schichten zu vermitteln, ohne dabei künstlerische Abstriche zu machen.
Kent Nagano dankt für die Vergabe des Brahms-Preises: „Wenn es einen Komponisten gibt, der für die Musik aus Norddeutschland steht, dann ist es Johannes Brahms. Und die Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein trägt seit bald 40 Jahren einen wichtigen Teil zum reichen Musikleben bei: mit der Pflege des Brahms-Hauses, der Veranstaltung der Brahms-Wochen sowie dem Erhalt und der Erforschung seines Werks. In den vergangenen neun Jahren, während der ich als Hamburgischer Generalmusikdirektor wirken durfte, war Johannes Brahms für mich immer äußerst präsent. Seine Symphonien, Chorwerke und Konzerte bildeten eine Basis unserer Konzertspielzeiten sowie meines eigenen musikalischen Kompasses … Die tiefe Verbundenheit vom Philharmonischen Staatsorchester Hamburg und mir mit Johannes Brahms hat aber nicht nur geografische Gründe. Der Ausdruck und Genius dieses Komponisten passen hervorragend zum Klang des Orchesters: warm, mitunter feurig, voller Licht und Flexibilität – das ist der Himmel über Norddeutschland, den das Meer widerspiegelt und der von der klaren Sonne häufiger erhellt wird als viele annehmen …“
Nagano wird im Rahmen der Preisverleihung in Begleitung des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg anreisen, das unter seinem Dirigat und ihm zu Ehren Werke von Johannes Brahms und Richard Strauss spielen wird.
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