Die Seele der Songs
Kaum ein deutscher Musiker hat eine so nachhaltige Wirkung wie der 1996 verstorbene Rio Reiser. Er war einer der vielseitigsten Songwriter und der Erste der Rockmusik mit deutschen Texten verband. Seine Bandbreite reichte von blanker Wut und politischen Statements wie „Keine Macht für Niemand“, über Sehnsucht in „Land in Sicht“ und utopische Visionen bis hin zur modernen Popkultur mit „König von Deutschland“ – und dann sind da natürlich noch ein paar der schönsten Liebeslieder überhaupt, allen voran „Junimond“ …Die IG Scherben haben es sich zur Aufgabe gemacht, jenen wundervollen Songs von Reiser und den Scherben neues Leben einzuhauchen – und dieses mit jeder Menge Seele.
Zwei Ur-Scherben mit Verstärkung on tour
Wie groß der Einfluss von Ton Steine Scherben auf die einheimische Musik war (und ist) wurde ja erst mit einigen Jahrzehnten Verzögerung deutlich. Sie waren Vorreiter in Sachen deutscher Texte, ebenso in Sachen Polit-Rock, aber auch die Ersten, die kollektiv von Stadt aufs Land flohen und ganz nebenbei haben TSS demonstriert, wie man ohne Plattenvertrag Alben aufnimmt und vertreibt – Jahre bevor man das „Independent“ nannte.
Zwei der Ur-Scherben touren noch bis heute durch deutschsprachige Länder: Gründungsmitglied Kai Sichtermann (Bass, seit 1970) und Drummer Funky K. Götzner (ab 1974, jetzt Cajón). Gemeinsam mit der Singer/Songwriterin Birte Volta (Gesang, Gitarre) schöpfen sie aus dem Repertoire Rio Reisers und der Scherben und halten die Erinnerungen an eine rebellische Zeit wach: Die Radikalität der Scherben, die eine gelebte Alltags-Radikalität war.