Unvollendet aber unvergessen
Mozart schrieb die Messe in c-Moll KV 427 nie zu Ende. Was blieb, ist trotzdem eines der bedeutendsten Werke der europäischen Kirchenmusik – groß im Gestus, tief in der Empfindung, von einer Intensität, die das fehlende Ende fast vergessen lässt. Dass dieses Werk am Totensonntag, oder auch Ewigkeitssonntag erklingt, dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, ist wohl keine zufällige Programmidee.
Mozart komponierte die Messe ab 1782, nach seiner Heirat mit Constanze Weber – einem Werk, das er ihr gleichsam als Versprechen schrieb. Die fertiggestellten Teile zeigen einen Komponisten, der über die galante Leichtigkeit seiner frühen Kirchenmusik weit hinausgewachsen ist: Die Chorsätze besitzen eine Dichte, die an Bach erinnert, die Solopartien eine Ausdruckstiefe, die ihresgleichen sucht. Das berühmte „Et incarnatus est“ für Sopran gehört zu den schönsten Arien, die Mozart je geschrieben hat.
Die eindrucksvollen Chorpartien werden vom Chor St. Laurentii unter der Leitung von Dörthe Landmesser gesungen, begleitet von der norddeutschen sinfonietta – einem in Rendsburg beheimateten Ensemble professioneller Musiker, das klassische Musik auf hohem Niveau interpretiert und dabei bewusst Raum für junge Talente lässt. Als Solisten sind Santa Karnite und Sonja Adam (Sopran), Stephan Zelck (Tenor) und Jóhann Kristinsson (Bass) zu erleben.
Musikalische Landschaften
September 1788. Mozart weilt in Wien und schreibt in wenigen Wochen drei Sinfonien, darunter die g-Moll-Sinfonie Nr. 40 – eines der rätselhaftesten Werke der Klassik, getrieben von einer Energie, die sich bis heute nicht ganz erklären lässt. Dass dieses Stück gut zwei Jahrhunderte später für fünf Bläser umgearbeitet werden würde, hätte sich Wolfgang Amadeus wohl kaum vorstellen können. Und doch: In Guido Schäfers Arrangement gewinnt das Werk eine neue Qualität – direkter, kammermusikalisch intimer, die dramatische Energie wie durch ein Prisma gebrochen.
Zuvor eröffnet das Symphonische Bläserquintett Hamburg – Susanne Barner, Flöte, Marc Renner, Oboe, Elmar Hönig, Klarinette, Peter Gulyka und Horn, Christian Ganzhorn, Fagott – den Abend mit zwei Stücken, die den ausgehenden Sommer noch einmal (musikalisch) erlebbar machen sollen: Samuel Barbers „Summer Music“, für genau diese Besetzung geschrieben, ist ein impressionistisch schimmerndes Werk – warm, leicht und dabei nie seicht. Dazu Mendelssohns „Sommernachtstraum“, ebenfalls in Schäfers Bläserfassung: Musik, die Shakespeare kennt und Shakespeare versteht.
Ein musikalischer Soloabend
Die Beziehung zwischen Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Salieri war sicherlich nicht von tiefer Zuneigung geprägt. Aber wie war damals, Ende des 18. Jahrhunderts, in Wien wirklich? Hat der gefeierte Hofkapellmeister Salieri das unberechenbare Genie Mozart wirklich boykottiert, ihn gar in den Tod getrieben, nachdem die Bewunderung in Neid und innere Zerrissenheit kippte? Bei der Solo-Inszenierung mit Musiker und Schauspieler Andrej Agranovski verschmelzen Legende und Wahrheit zu einem dramatischen Seelenporträt über Genie, Eifersucht und die zerstörerische Kraft des Vergleichs. Wort und Musik gehen dabei unmittelbar ineinander über. Regisseur Nils Strunk, selbst Musiker und Theatermacher, formt daraus einen konzentrierten, spannungsvollen Abend, in dem Musik zum Motor des Dramas wird.
Mozart & Schubert – ein Dialog
Mozart war für Schubert eine zentrale Inspirationsquelle – beide verbindet eine außergewöhnliche Meisterschaft der melodischen Erfindung und ein besonderes Gespür für den Gesang. Während Mozart diese Nähe zur menschlichen Stimme vor allem in seinen Opern entwickelte, prägte Schubert sie durch seine intensive Beschäftigung mit dem Lied. Diese „stimmennahe“ Qualität durchzieht auch ihre Klaviermusik. So entsteht ein Programm, das mit Leichtigkeit und Tiefe, tänzerischer Bewegung und innerer Spannung zwei der größten Melodiker der Musikgeschichte in unmittelbare Beziehung setzt.
Andrey Denisenko, 1992 in Rostow am Don geboren, begann sein Studium 2017 an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. 2018 gewann er den dritten Preis beim Europäischen Klavierwettbewerb Bremen, den ersten Preis beim Wettbewerb der Elise-Meyer-Stiftung und den Steinway-Förderpreis Klassik. 2019 debütierte er im Großen Saal der Laeiszhalle Hamburg und trat seitdem u.a. in der Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach in Frankfurt/Oder, in der Elbphilharmonie Hamburg und der Philharmonie Berlin auf. Seine Debüt-CD mit Werken von Bach, Brahms und Schumann wurde 2024 bei GENUIN Classics veröffentlicht und von der Fachpresse positiv aufgenommen. 2025 schloss Andrey Denisenko sein Konzertexamen mit Auszeichnung ab und spielte im Großen Saal der Laeiszhalle Hamburg mit den Symphonikern Hamburg.
Programm:
Wolfgang Amadeus Mozart Fantasie c-Moll KV 475
Franz Schubert Klavierstück Es-Dur D 946 Nr. 2
Wolfgang Amadeus Mozart Sonate B-Dur KV 333
Franz Schubert 12 Deutsche Ländler D 790
Wolfgang Amadeus Mozart 12 Variationen über «Ah, vous dirai-je, Maman» C-Dur KV 265
Franz Schubert Sonate a-Moll D 784
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen
Melodien für den Sommerabend
Das um Bläser erweiterte Orchester St. Laurentii lädt zu einem beschwingten Sommerkonzert ein: Mit der Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozart Sturm und Drang“-Oper „Idomeneo“, der heiter-eleganten Symphonie No. 5 in B-Dur von Franz Schubert – seiner ersten reifen Symphonie – und der farbenreichen „Ancient Airs and Dances“ Suite No. 2 von Ottorino Respighi, mit der sich der Komponist an die Lautenmusik des 16. und 17. Jahrhunderts anlehnt, erwartet die Besucher ein Programm mit reichlich melodischer Leichtigkeit und klanglicher Eleganz. Festliche Opernenergie, klassischer Charme und tänzerische Klangfarben verbinden sich zu einem musikalischen Potpourri, mit dem das von Dörthe Landmesser geleitete Orchester mit großer Spielfreude die warme Jahreszeit einläutet.
Eine musikalische Fantasie
Das Musiktheaterensemble des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters lädt zum Träumen ein! Und zwar in alle Richtungen – mal von Liebe und Leidenschaft, mal von Hass und Rache, mal von Macht und Erfolg. Musikalisch ist die Auswahl dazu riesig, entsprechend vielfältig ist auch das „Traum“-Programm. Wobei der Fokus doch vor allem auf der Liebe liegt, wie in die schwärmerische Verliebtheit, die Tschaikowski in „Ach Tanja, Tanja …“ aus „Eugen Onegin“ in Noten fasst oder Giuseppe Verdis berührende Arie „Caro nome“ aus „Rigoletto“. Dem gegenüber steht die Rossinis Triumpharie „Non più mesta” aus “La Cenerentola“ oder Franz Schuberts Vertonung von Goethes „Erlkönig“ – große Dramatik mit feinem Gruselfaktor!
Programm:
Jacques Offenbach (1819–1880): LES CONTES D’HOFFMANN – „Belle nuit, ô nuit d’amour“ (Barcarole)
Franz Schubert (1797–1828): WINTERREISE – „Frühlingstraum“
Henry Purcell (1659–1695): KING ARTHUR – „What Pow’r Art Thou“ (Cold Song)
Jacques Offenbach (1819–1880); LES CONTES D’HOFFMANN – „Les oiseaux dans la charmille“ (Puppen-Arie)
Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840–1893): EUGEN ONEGIN – „Ach Tanja, Tanja … Ja ne sposobna k grusti tomnoi“ & „Ljubwi wsje wosrasty pokorny“
Carl Maria von Weber (1786–1826): DER FREISCHÜTZ – „Nein, länger trag ich nicht die Qualen … Durch die Wälder, durch die Auen“
Richard Strauss (1864–1949) DER ROSENKAVALIER – „Mir ist die Ehre widerfahren“
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): COSÌ FAN TUTTE – „Soave sia il vento“
Franz Schubert (1797–1828): „Erlkönig“
Giuseppe Verdi (1813–1901): RIGOLETTO – „Gualtier Maldè … Caro nome“
Richard Wagner (1813–1883): WESENDONCK-LIEDER – „Träume“
Gioachino Rossini (1792–1868): LA CENERENTOLA – „Nacqui all’affanno … Non più mesta“
Paul Abraham (1892–1960): VIKTORIA UND IHR HUSAR – „Mausi, süß warst du heut’ Nacht“
Leitung & Klavier: Borys Sitarski
Moderation: Hendrik Müller
Mit: Anna Avdalyan, Anna Stepanets; Timo Hannig, Christian Alexander Müller
Mozart trifft Schostakowitsch
Eigentlich könnte man meinen, dass Wolfgang Amadeus Mozart und Dmitrij Schostakowitsch nicht besonders viel gemeinsam haben – doch das gilt nur auf den ersten Blick. Beide Komponisten hatten ihre Schwierigkeiten mit den jeweiligen Autoritäten, und beide verarbeiteten diese Konflikte in ihrer Musik. Während Mozart dies häufig mit einer Prise Humor tat, spürt man in Schostakowitschs Werken oftmals die ständige Angst um Leib und Leben, die ihn in der Stalin-Ära begleitete. Exemplarisch steht dafür die „Kammersinfonie c-Moll op. 110a“, in der er die Opfer aller Regime und Gewalttaten beklagt. Demgegenüber steht Mozarts formal ausgewogene und kontrapunktisch fein gearbeitete Sinfonie Nr. 29 A-Dur.
Programm:
Wolfgang Amadeus Mozart – Sinfonie Nr. 34 C-Dur KV 338
Dmitrij Schostakowitsch – Kammersinfonie c-Moll op. 110 a nach dem Streichquartett Nr. 8
Wolfgang Amadeus Mozart – Sinfonie Nr. 29 A-Dur KV 201
Dmitrij Schostakowitsch – Klavierkonzert Nr. 2 F-Dur op. 102
Von Bach bis Ysaÿe
Ein Abend ganz im Zeichen junger Talente aus Schleswig-Holstein und Hamburg: Schülerinnen und Schüler der Albert Schweitzer Musikakademie und ihre Gäste präsentieren solistisch, im Duo und als Quartett ein abwechslungsreiches Programm mit Werken der Violin- und Kammermusikliteratur. Die jungen Nachwuchsmusiker im Alter zwischen 11 und 19 Jahren sind bereits Preisträger vieler nationaler und internationaler Wettbewerbe und einige von ihnen streben eine berufliche Karriere als Musiker an. Begleitet werden die jungen Künstler am Klavier von Anette Kröger. Ein Konzert voller Spielfreude und musikalischer Vielfalt mit Werken von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Antonín Dvořák und Eugène Ysaÿe. Mit dem Benefizkonzert sollen die jungen Musiker in der Akademie gefördert werden.
Valses nobles et sentimentales am Piano
Johannes Friedemann wurde international bekannt, als er beim 50-jährigen Jubiläum der Berliner Philharmonie Beethovens fünftes Klavierkonzert interpretierte. Im Alter von sechzehn Jahren begann er sein Klavierstudium in Düsseldorf, danach studierte er an der Zürcher Hochschule der Künste und schloss sein Diplom mit Auszeichnung ab. Weitere künstlerische Anregungen erhielt er bei Vladimir Ashkenazy. Johannes Friedemann trat unter anderem bei der Biennale in Venedig, am Gewandhaus Leipzig und in der Tonhalle Düsseldorf auf. 2023 spielte er die Welturaufführung eines Klavierkonzertes anlässlich der Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen in Dubai. Beim internationalen Klavierwettbewerb Città di Cesenatico, sowie bei vielen anderen Wettbewerben gewann er zahlreiche Preise und Auszeichnungen.
Programm:
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791): Klaviersonate A-Dur KV 331
Ludwig van Beethoven (1770-1827): Klaviersonate cis-Moll Pathétique
Enrique Granados (1867-1917): Allegro de Concierto Op. 46
Maurice Ravel (1867-1917): Valses nobles et sentimentales
Franz Liszt (1811-1886): La Campanella
Musikalischer Herbstzauber
Die St. Laurentii-Kirche lädt zu einem besonderen Kammerkonzert für Oboe und Klavier ein. Die Musikerinnen Claudia Zülsdorf (Oboe) und I-En Liu (Klavier) präsentieren ein vielseitiges Programm mit Werken von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Camille Saint-Saëns. Das verspricht ausdrucksstarke Klangfarben und virtuoses Zusammenspiel in der stimmungsvollen Atmosphäre der Kirche. Ein musikalischer Herbstnachmittag, der Klassikliebhaber:innen und Neugierige gleichermaßen begeistern wird.